Heimat als Charakterfundament
Eine Sententia aus meinem neuen Buchprojekt: "Die archaische Verbundenheit des Menschen mit dem angestammten Grund und Boden – jener heilige Hort der Herkunft, den wir Heimat nennen – ist nicht bloß eine geographische Koinzidenz oder ein sentimentaler Anker der Erinnerung. Nein, sie ist vielmehr die ursprüngliche Matrix, in welche die unvergänglichen Werte der Ahnherren als intellektuelle und moralische Prägung implantiert werden.
Der wahre Charakter – die innere Konstitution der Persona – erwächst nicht aus einem äußeren, beliebigen Zufall, sondern aus der symbiotischen Fusion dieser beiden elementaren Pole: dem telosorientierten Wertekanon und der mütterlichen Umarmung des Heimatortes. Nur in dieser gegründeten Existenz vermag das Individuum die erforderliche Stabilität zu erlangen, um dem unaufhörlichen Ansturm des historischen Wandels und der moralischen Ambiguität zu widerstehen.
Die Gemeinschaft selbst, die wir gerne problematisiert oder entproblematisiert "das Volk" nennen, erscheint hierin als eine metaphysisch geformte Substanz, deren kollektive Seele in den Ritualen und der Ethik ihrer Heimat ihre unverwechselbare Physiognomie konturiert. Eine solche Gemeinschaft zeichnet sich durch ihre tiefverwurzelte Fürsorge aus, welche die bloße Pragmatik der Existenzsicherung transzendiert und zu einer Haltung der universellen Sorge für das Wesen des Nächsten führt.
So sei denn der Begriff der Gemeinschaft von nun an als Äthnogonie zu fassen, die nicht nur das Werden eines Volkes beschreibt, sondern auch das moralische Postulat seiner kontinuierlichen Selbstvervollkommnung impliziert.
Die gelebte Fürsorge nenne man Peristerese, in Anlehnung an die sanfte, nestbauende Tätigkeit der Tauben, die ein Sinnbild für die behutsame, schützende Pflege der Schwachen und die Erhaltung des sozialen Gefüges ist.
Der Charakter ist das unabdingbare Destillat aus der Verinnerlichung der Werte des Heimatbodens und der historisch gewachsenen Gemeinschaft, ein ewiger Pakt zwischen dem Mikrokosmos der Seele und dem Makrokosmos der Tradition."